Montag, 15. Januar 2018

Zauberhafte Begegnungen

Diese Geschichte ereignete sich tatsächlich im Sommer 2017, und ich möchte sie gerne hier erwähnen.

Mit den Kindern und unserem Hund waren wir an einem größeren See unterwegs. Nachdem wir die Hälfte des Sees umrundet hatten, setzten wir uns für eine kleine Pause auf eine Bank. Immer wieder kamen andere Hundehalter mit ihren Hunden an uns vorbei. Seitdem wir selber einen Hund haben, betrachten wir auch Hunde von anderen mit großem Interesse. Und egal, ob sie groß oder klein, Rassehunde oder Mischlinge sind - es ist immer wieder schön zu sehen, wie sehr jeder seinen Hund liebt. Wie das dann so ist, kommt man schnell ins Gespräch und unterhält sich miteinander. Sind sie nicht putzig, diese Zwei?!



Irgendwann tauchten diese entzückenden Damen auf: Bine und Franzi. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch. Sie herzten Yoshi, stellten allerhand Fragen und dann eine sehr Ungewöhnliche: "Dürfen wir Yoshi mit zum Joggen um den See mitnehmen?"

Eben erst waren wir uns zum ersten Mal im Leben begegnet. Spontan hörte ich mich lachend sagen: "Dann muss ich aber ein Foto von Euch machen, damit ich Euch bei Nichtwiedererscheinen des Hundes mit Interpol bis ans Ende der Welt jagen kann. Und ein Pfand hätte ich auch gerne..."

Meinen Kindern stand der Angstschweiß auf der Stirn. Man gibt doch nicht Wildfremden seinen, in jeder Hinsicht, kostbaren Hund mit - oder doch...?!?

 

Von Bine bekam ich den Autoschlüssel in die Hand gedrückt, ich übergab Hund und Leine und gab Yoshi das Zeichen, dass er mit gehen darf. "Wir sind in ca. 25 Minuten wieder da!"... und weg waren sie.

 
Und tatsächlich... kamen sie in der angegebenen Zeit mit Yoshi wieder zurück, lobten ihn in den Himmel, knuddelten ihn, ich gab die Autoschlüssel zurück, wir strahlten einander noch eine ganze Weile an... und weg waren sie.

Wie man so handeln kann, wie ich es getan habe...?

"Es gibt Begegnungen, die sind ganz einfach nett. Und es gibt Begegnungen, da geschieht etwas. Tief in dir drinnen beginnt etwas zu schwingen. Erst fein und zaghaft, dann immer stärker werdend. Solche Begegnungen berühren und erfassen dich, geben dir Raum, machen dich weit, offen und hell. Solche Begegnungen sind Kostbarkeiten und wunderbare Geschenke des Lebens."
                                                         Verfasser Unbekannt

Auch nach so langer Zeit denke ich sehr gerne an diese Begegnung zurück. Wer weiß, vielleicht treffen wir Bine und Franzi in diesem Jahr wieder dort. Dann laden wir sie gewiß auf einen Kaffee und ein Stückchen Kuchen am See ein. Ich freue mich schon darauf...

Donnerstag, 11. Januar 2018

Mit Hund ist's anders, oder alle lieben Yoshi

Hundehaltern wird gerne von Nicht-Hundehaltern unterstellt, man müsse ein von Einsamkeit geplagter Mensch sein, der wohlmöglich als so garstig einzustufen ist, dass alle zwischenmenschlichen Kontakte gen Null gesunken, die defizitären sozialen Kontakte nun nur noch von einem treuen Vierbeiner ausgeglichen, oder gar aufgefangen werden konnten...  eh man ganz verloren war.

Hmm... Weder mangelte es uns an sozialen Kontakten, noch waren wir eigenbrötlerische Menschen. Mit unseren noch jungen Kindern standen wir mitten im Leben. Und doch sollte Yoshi unser aller Leben auf ungeahnte Weise auf den Kopf stellen und bereichern.

Fast war es so, als wären wir mit Hund über Nacht zu anderen Menschen geworden. Wie ein Tsunami überrollte uns ein nicht erwarteter Hype um Yoshi. Welpen rufen bei allen Menschen dramatische, emotionale Reaktionen hervor. Wildfremde Menschen, ach was sag ich, es waren Menschenmassen, warfen sich begleitet von Entzückensschreien freiwillig in Straßenstaub, um ein Selfie mit Yoshi zu machen. Von einer freudestrahlenden Gefolgschaft wurden wir zu Yoshi beglückwünscht. Unter den bewundernden Blicken Unzähliger stolzierte Yoshi auf seinen stämmigen Beinchen selbstbewusst umher, wurde nach Erteilung der Streichelerlaubnis gekost, geherzt, gedrückt, geküsst... Unfassbar war das! Den lieben langen Tag leierten wir wie kaputte Schallplatten äußerst freundlich drein blickenden Menschen brav die Eckdaten wie Rasse, Alter, momentanes Gewicht, vermutete Endgröße etc. herunter. "Nein, er ist kein Husky. Ja, genau die Rasse..., die in Hachiko die Hauptrolle gespielt hat..." Soviel Aufmerksamkeit und Zuwendung, da war ich mir absolut sicher, hatte nur noch der heilige Vater in Rom. Manchmal war es so schlimm, dass ich den inzwischen 15 kg schweren Welpen unter den Arm klemmen musste, um die Massen hinter mir zu lassen und regelrecht zu fliehen, bevor der Welpe noch Verhaltensstörungen entwickelte. Ich sage Euch: Vergesst die Singlebörsen dieser Welt! Wer einen Welpen an der Leine hat, dem folgen alle anderen.

 
Nach solchen Erfahrungen mieden wir die Stadt. Das, was jedes Mal ablief, war zuviel Reizüberflutung für Yoshi - das alles war aber auch definitiv zuviel für uns.  

Binnen weniger Wochen quoll das Smartpone über mit neuen Telefonnummern anderer Welpen-Halter. Allerdings wurden lediglich die Namen der Hunde eingespeichert ;-). Das Telefon klingelte ohne Unterlass: "Hallo, hier ist der X, Y, Z... Hat Yoshi Zeit um mit Cookie, Balou, Kenny, Lotta, Erna, Kira, Mogli, Shadow... zu spielen?" What?? Das Ganze nahm ungeahnte Ausmaße an: ich musste Spielverabredungen für Yoshi koordinieren und schaffte es kaum noch, den üblichen Alltag zu bewältigen. Während Yoshi munter an Gewicht zulegte, nahm ich stetig ab, weil ich schlichtweg ob der ständigen Verabredungen kaum noch zum Essen kam. Kaum hatte sich alles normalisiert, nahm ich auch wieder zu ;-).

Yoshi hatte volles Programm - er tollte jeden Tag mit Welpen herum, und wenn er irgendwann nach zwei Stunden schlichtweg keine Lust mehr hatte, ließ er sich mit seinem beachtlichen Gewicht auf die meist zarter gebauten Welpen-Kumpels fallen. 


Die waren dann erst mal platt und mussten mühsam unter Yoshi wieder hervor geholt und zusammen gesetzt werden ;-). Täglich wurde spielerisch geübt, versuchten wir doch die wenigen Kommandos zu etablieren, die für ein ganzes Hundeleben gelten sollten. Auch drehte sich Vieles um Ausscheidungen, Ernährung, Erbrochenes, und Erziehungsmethoden. Der eigentliche Hundeliebhaber im Hause überließ mir die täglich anfallenden Arbeiten und schaute sich das bunte Treiben um den Hund aus angemessener Entfernung an, um abschließend zufrieden festzustellen, dass der Hund sehr gut bei uns angekommen sei.  Ich konnte mich nicht beklagen: ich war die Hauptverantwortliche für Yoshi. So war das von Anfang an gedacht. Die Kinder stellten zwischendurch stöhnend fest: "Boah, ist das anstrengend mit Yoshi... Er ist soo süß, aber das ist voll anstrengend!", dabei erledigte ich alle Arbeit. Nur, wenn ich mal weg war, und der Rest der Familie trotz meiner mahnenden Erinnerungen verpennt hatte, Yoshi zeitig nach draußen zu schaffen, mussten auch sie mal die ein oder andere Pfütze wegmachen. Die Haufen, ja auch die gab es, fielen dann wieder unter meine Verantwortung. Grmpf... Überhaupt wurde ich im Laufe der ersten Wochen und Monate das Gefühl nicht los, dass es kaum noch einen Fleck in unserem Haus gab, welches ich nicht bereits intensiv mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln bearbeitet hatte.

 
Nach fünf Wochen, die Yoshi bereits bei uns lebte, besuchten wir erneut die Züchter mit den Elterntieren. Yoshi wurde, nachdem er aus dem Wagen gehüpft war, sofort harsch von seinem Papa angeknurrt, so dass er Urin abließ und sich auf der Stelle unterwürfig zeigte, indem er sich auf den Boden warf. Seine Mama hatte zwar die Nackenhaare hochgestellt, aber sie ließ ihn gewähren: Yoshi suchte sofort die alte Milchquelle. Elf Wochen Dauergesäuge waren so prägend, dass er das nicht vergessen hatte. Auch huschte er alsbald in das Haus, weil er noch genau erinnerte, wo all die Leckerlies verstaut wurden. Yoshi nochmal dort zu erleben, wo er auf die Welt gekommen war, das war sehr spannend zu sehen.


Yoshi wuchs in rasantem Tempo - so schnell konnte man kaum gucken. Da er mir monatelang ohne Unterlaß auf Schritt und Tritt folgte und mich nie aus den Augen lassen konnte, trug ich ihn unzählige Male am Tag die Treppen in unserem Haus rauf und runter. Allerdings hatte er bereits ein beachtliches Gewicht und irgendwann bei 20 kg machte ich mir ehrlichgesagt mehr Sorgen um meine, als um seine Hüften und Gelenke.


Unsere täglichen Ausflüge waren so wunderbar. Unterwegs kam Yoshi an keinem Erdhügel vorbei und musste stets da durchtauchen.


Schon von weitem hörte ich die Rufe der anderen Hundehalter: "Oh, da ist ja der liebe Yoshi!" Ausnahmslos alle waren ihm zugetan und äußerten ganz erstaunt: "Der ist aber wieder mächtig gewachsen. Da kommt aber noch was nach, nicht wahr?!" Ganz zärtlich knusperte Yoshi an Kira herum, wenn wir sie trafen und tollte ausgelassen mit diesem zarten Hundchen herum.


 - Blümchenschnupperer Yoshi -


Unsere Ausflüge mit Yoshi waren so beseelend. Ihn so voller Lebensfreude zu erleben, das machte uns alle unendlich glücklich. So entzückend war es, Yoshi durch das Kleefeld pflügen zu sehen.


 




Nein, oh nein!!! Kurz bevor wir am Wagen waren, wälzte Yoshi sich wie verrückt in...  Aas. Ein unbeschreiblich ekelerregender, unerträglicher Gestank haftete ihm an. Ich weiß nicht, wie wir den Weg bis nach Hause geschafft haben, ohne uns zu übergeben. So einen widerlichen Geruch gibt es nicht nochmal auf dieser Welt. Zu Hause folgte die erste behutsame Dusche mit wohlduftendem Menschenshampoo (den Kopf ließen wir aus). Yoshi in die Dusche zu bekommen glich einem Nahkampf. Als er endlich in der Duschwanne stand und nass war, da hielt er ganz brav still. Puh... alle konnten wieder atmen.


Wir mussten darauf achten, dass Möhrchen bei all dem Tamtam um Yoshi nicht zu kurz kam. Mein Mann wurde an den Wochenenden zum Kater-Beauftragten, der ein besonderes Verwöhnprogramm mit ihm abzog.

Trotz aller Glückseligkeit machte ich mir Sorgen. Yoshi war schon mit Durchfall bei uns eingezogen und hatte immer wieder übelste Blähungen. Das ging nicht mit rechten Dingen zu. Der Tierarzt riet, erst einmal abzuwarten, das könne auch von der Aufregung herrühren, da sein Einzug bei uns nicht allzulange her war. Aber wenn ich Yoshi so ansah, dann sah ich ein putzmunteres Kerlchen, das sich wohl fühlte in seiner Haut. Ich setzte das hochwertige und irre teure Premium-Trockenfutter mit hohem Fleischanteil und ohne Getreidezusätze ab, was uns die Züchter empfohlen hatten, und probierte in den darauffolgenden Wochen und Monaten in Abständen immer mal wieder Neues aus. Da war die 5,-Euro-Dose aus dem Fachhandel  genau so dabei, wie die günstige Variante vom Discounter. Nichts brachte den ersehnten Erfolg. Ich war der Verzweiflung nahe. Auch ergab eine an drei aufeinanderfolgenden Tagen entnommene Stuhlprobe keinen Befund. Weder hatte Yoshi Würmer, noch Giardien. Ich war erleichtert. Der Durchfall und die Blähungen aber blieben. 

War ich am Ende zu blöd, um einen Hund zu ernähren?

Sonntag, 7. Januar 2018

Hoffnungsvoll - von Hund und Katz

Das es nicht leicht würde, Yoshi und Möhrchen zusammen zu führen, war klar. Möhrchen war schon seit längerem bei uns angekommen, und nun tauchte dieser Eindringling mit seinen süßen elf Wochen, aber beachtlichen 11 kg in seinem Revier auf. Und pro weiterer Lebenswoche kam jedes Mal ein weiteres Kilo auf die Rippen. 

Die ersten Begegnungen fanden im Garten statt, wo Yoshi angeleint wurde und Möhrchen jederzeit hätte weggehen können. Meist trennten wir die beiden nach wenigen Minuten wieder. Solche sich spontan ergebenden Treffen wiederholten wir täglich. Aus sicherer Entfernung beäugte Möhrchen Yoshi. Neugierig war er, aber auch deutlich beeunruhigt. Zwar hatte Möhrchen in dem Haushalt zuvor bereits mit einem großen Hund zusammen gelebt, aber dass sein innerer Frieden nun erneut durch solch einen Vierbeiner gestört wurde, das war offensichtlich.


 - Möhrchen als grumpy cat -

Möhrchens Wohl liegt uns sehr am Herzen. Er hatte es wahrlich nicht leicht in seinem jüngeren Katzenleben. Wir geben uns viel Mühe, damit er sich hier nach wie vor in seinem Zuhause wohlfühlen kann.

  
 

Irgendwo hatte ich gelesen, man solle den Kater vor dem gesicherten Hund füttern, um ihm zu verdeutlichen, dass dieser ranghöher sei als er selbst. Ein fataler Fehler, wie sich heraus stellen sollte: Yoshi drehte bei diesem Anblick komplett durch, riss sich los und stürzte sich wie von Sinnen auf Möhrchen. Meine Familie und ich, wir stürzten uns ohne weiteres Nachdenken auf Yoshi. Der arme Kater hatte zum Glück nichts abbekommen, außer dass er vor lauter Aufregung immens lange Schluckauf bekam. 

Viele Streicheleinheiten weiter, achtete ich peinlich genau darauf, dass beide Tiere in getrennten Räumen gefüttert wurden. Natürlich rochen sie einander, aber die getrennten Räume boten Sicherheit. Das ganze glich einer logistischen Höchstleistung und manchmal hing mir wirklich die Zunge aus dem Hals.

Nach einer gewissen Auszeit gab es erneut die täglichen, kurzen Begegnungen, die nun auch im Wohnzimmer immer in unserem Beisein stattfanden. 



Katzen und Hunde haben eine grundverschiedene Körpersprache, die zwangsläufig „Missverständnisse“ auslöst. Klassiker hierbei ist das Wedeln mit dem Schwanz. Beim Hund zeigt das Wedeln im Normalfall Freude an, während Katzen dies eher tun, wenn sie aufgeregt oder nervös sind. Blinzeln ist bei Katzen zudem ein Zeichen von Zuneigung, Hunde verstehen das Anstarren hingegen gerne als Drohung. Nicht zuletzt schnurren Katzen aus Behaglichkeit, bei Hunden ist das Knurren hingegen ein Abwehrverhalten. Während Yoshi mit Möhrchen spielen wollte, machte der einen Katzenbuckel und fauchte ihn aus Leibeskräften an. 

Trotz allem waren wir hoffnungsvoll. Von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen kennt man ähnliches Verhalten. Wir setzten darauf, dass wenn sie oft genug die Möglichkeit hatten, sich näher mit ihren Eigenheiten kennenzulernen und sich aneinander zu gewöhnen, sie möglicherweise sogar richtig dicke Freunde werden könnten. Auswegslos war die Sache nicht...

Heute ist es immerhin möglich, dass Möhrchen zu meiner Linken auf dem Sofa liegt und gestreichelt wird, während Yoshi rechts von mir liegend sich den Kopf kraulen lässt (leider existieren davon keine Fotos, was ich sehr bedauerlich finde). Geduld zahlt sich eben doch aus.

Auch heute noch lasse ich beide nie ganz unbeaufsichtigt im selben Raum, so dass ich eingreifen kann, sollte doch nochmal etwas schief gehen. Aber: toi, toi, toi... bis zum heutigen Tag ist nichts mehr schief gegangen. Inzwischen ist es oft genug so, dass Möhrchen auf seinem angestammten Platz tiefenentspannt döst, und Yoshi ihm zu Füßen davor auf dem Boden liegt. So unterschiedlich ihre Körpersprachen auch sind, mittlerweile haben sie verinnerlicht, dass sie beide zu unserem Rudel dazugehören. Inzwischen kann man sie sogar für kurze Zeit unbeaufsichtigt in selbem Raum lassen.
 
Und wenn Möhrchen bereits draußen ist, und ich mit Yoshi zu einem Spaziergang aufbreche, da trottet Möhrchen oft genug mit etwas Abstand hinterher. 



Zwischendurch verschwindet er im Dickicht. 




Dann bleibt Yoshi stehen und wartet, bis er wieder auftaucht, und wir dann gemeinsam weiter gehen. In solchen Momenten muss ich immer an Mautz denken. Der wäre ganz sicher auch mit uns mitgegangen. So schade, dass das nicht mehr möglich ist. 

Eines Tages, so hoffe ich, dass Yoshi und Möhrchen inniglich Seite an Seite dösen, sie echte Kumpels werden. Im Augenblick sind wir auf einem ganz guten Wege, wie es scheint.

Mein heutiger Beitrag geht zu ihr.